Hercules Bundeswehr

Herkules Bundeswehr

Zugang auch zu französischen Geräten Ich habe in der vergangenen Woche in der Zusammenfassung die Genehmigung des Haushaltsausschusses des Bundestages für die Vorbereitung einer gemeinsamen deutsch-französischen Herkules-Luftverkehrstaffel erörtert: Wie bekannt gegeben, noch ein paar Details dazu: Das Vorhaben, die Hercules C-130J des US-Herstellers Lockheed Martin zusammen zu führen, wurde von beiden Ländern im vergangenen Jahr bekannt gegeben und im vergangenen Monat eine konkrete Willenserklärung unterfertigt. Die Hintergründe sind ein Thema, das Deutschland und Frankreich gleichermassen betrifft: Wenn das alte Transall-Flugzeug nicht mehr eingesetzt werden kann (in Deutschland ab 2021), fehlen für die Start- und Landebahnen, für die der neue A400M-Transporter zu groß ist, ein Fluggerät. Das Verteidigungsministerium argumentiert jedoch, dass insbesondere (nationale) Rettungs- und Evakuierungsmassnahmen Luftfahrzeuge unterhalb der A400M, dem so genannten Small Area (das ist der Fachjargon für kleine Maschinen, d.h. Luftfahrzeuge im Gegensatz zu Hubschraubern), erfordern.

In Frankreich wurden bereits vier C-130J geordert, zwei davon als Transportflugzeuge und zwei in der Luftbetankungsversion - aber diese Nachfrage ist hauptsächlich auf Missionen in Afrika und dort in der Sahara zurückzuführen. Das französische Transportflugzeug soll 2017 und 2018, die Tanker 2019 ausgeliefert werden, zwei weitere Maschinen sind optional.

Einerseits soll die Anschaffung von sechs Hercules für rund 900 Mio. EUR erst 2019 entschieden werden, so dass die französischen Luftstreitkräfte diese Fluggeräte vor der Auslieferung an die Bundesluftwaffe haben werden. Der Einsatz in einer Gemeinschaftseinheit soll beiden Staaten nicht nur in Bezug auf Werkzeuge, Prüfgeräte und Schulung Kosten einsparen, sondern auch der Bundeswehr den Zugang zu diesen Geräten erleichtern, bevor sie ihren eigenen Herkules hat.

In anderen Ländern mit vergleichbaren militärischen Fähigkeitsprofilen (z.B. Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien) werden aufgrund ähnlicher Fähigkeitslücken neben der A400M kleine Mengen von kleineren taktischen Lufttransportflugzeugen wie der C-130J und der CASA-295 eingesetzt. Im Laufe der Gespräche mit europäischen NATO-Partnern hat sich herausgestellt, dass z.B. Eine Zusammenarbeit vor allem mit Großbritannien, einer der europäischen Anwendernationen der C-130J, wird nicht in Betracht gezogen, da der Gebrauch von Flugzeugen mit britischem Hoheitszeichen im Sinne des National Risk and Crisis Management[NatRKM] von der brit. bzw. englischen Regierung aus juristischen und auch technischen Gründen nicht in Betracht gezogen wird.

In Frankreich dagegen war von Anfang an eine hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit im NatRKM- und SpezOp-Bereich festzustellen. Noch bevor Deutschland 2019 - erwartungsgemäß - Luftfahrzeuge ordert, die dann zwei Jahre später ausgeliefert werden sollen, steht das französische Flugzeug für die nationalen Rettungseinsätze und Evakuierungseinsätze zur Verfuegung. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums würde eine bundesweite Regelung nicht nur mehr Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch mehr deutsches Fluggerät beschaffen und damit deutlich kosten.

Im Gemeinschaftsgeschwader Hercules hat Deutschland dagegen Zugriff auf zehn Geräte, was bedeutet, dass der Prozentsatz der Geräte, die über ihren Einsatz klar sind, größer ist, als wenn sie in kleinen Stückzahlen gekauft werden. Interessanterweise will die Bundeswehr ihre sechs Luftfahrzeuge wie die französischen aufteilen: drei Luftfahrzeuge, die jeweils zur einen Seite als Transportflugzeuge und drei als Tanker - was aus der französischen Perspektive notwendig ist, um die Betankung von Helikoptern zu gewährleisten, die mit der A400M (bisher?) aus verkehrstechnischen Erwägungen nicht zurechtkommen.

Durch die weitestgehend identischen Flugzeuge beider Länder soll nicht nur die logistische Abwicklung, sondern auch der einheitliche Betrieb erleichtert werden: Die gemeinsame Abteilung soll so aufgebaut werden, dass der Betrieb grundsätzlich mit einer binationalen Mischung von Flugzeugbesatzungen und technischem Personal durchgeführt werden kann.

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